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Schulfibel von 1964Schulfibel von 1960

 

Hier möchten wir ein Lesebuch für Schulanfänger aus der Zeit der 60er Jahre im Verlauf eines Schuljahres zeigen. Diese Seite wird in mehrwöchigen Abständen aktualisiert.

Damals begann das Schuljahr jeweils im Frühling (April) und endete mit Zeugnissübergabe zu Beginn der Osterferien im darauffolgenden Jahr.  Die Fibel begleitete die Schüler im Wechsel der Jahreszeiten mit vielen Lese- und Schreibübungen.

 


 Der kranke Riese

 Wer kennt sie noch, die zwei Urgesteine. Den Dr. Isegrimm und seinen Patient, na... fällt es ein ?

 

 

Sommer, Ferien, Sonne, Schwimmen, Faulenzen!

Viele Kinder fuhren mit ihren Eltern in die Sommerfrische. Bayerische Alpen, Nordsee, Österreich, Italien, Spanien. Manche blieben zuhause und  verlebten ihre Ferienzeit mit dem Erkundschaften der umliegenden Landschaft, halfen beim Heumachen, Vieh füttern oder man staute sich einen Bach, bei uns eignete sich der Mühlbach sehr gut dazu. Gestaut wurde über eine Länge von ungefähr 15 Meter,das ergab eine Tiefe von 80 cm bei einer Breite von 1,50 Metern. Als Boot benutzten wir eine alte Zinkwanne, als Ruder ein altes Brett und schon konnten wir in See stechen.

 

 

 

 



 

Ostern - Ende der 6-wöchigen Fastenzeit und die Nähe des Frühlings ist spürbar. Die Sonne fängt an, ihre wärmenden Strahlen auf die Erde zu schicken und  der Osterhase wurde von unseren Eltern des öfteren übers Feld hoppeln gesehen - natürlich mit prall gefülltem Korb mit den buntesten Eiern. Das hatte unsere Eltern anscheinend immer so interessiert, dass sie vergasen, uns , als wissenshungrige Kinder , von der für uns immens wichtigen Sichtung zu informieren.

Im Laufe der Jahre haben wir  mitbekommen, dass dieses ein abgekartetes Spiel war. Und alle Eltern waren in dieser Sache  wie in einer Sekte miteinander verbunden und sich einig.

Wir haben es ihnen aber später nie nachgetragen, es gehörte wie die ähnlich liegende Sache mit dem Weihnachtsmann zum Kinderleben. Erinnern wir uns gerne daran? Ich ja!

 


 

Heutzutage spielt das Wetter etwas verrückt. Mögen es die Umweltverletzungen sein, wie uns Politiker weismachen wollen, wahrscheinlich denken sie dabei nur an eine neue Einnahmequelle, oder wie in der Erdgeschichte schon öfters üblich gewesen, eine andere Wetterperiode Einzug hält.

Wir wollen darüber keine Urteile abgeben. Nicht hier.

Der einzige Unterschied ist halt, dass wir unsere Leseseiten der Witterung anpassen müssen und etwas früher oder später in unsere Seite stellen.

War aber auch immer sehr schön anzuschauen, wenn die ersten Frühlingsblumen ihre Knospen zaghaft zwischen Schneeresten und  erstem Gras hervor streckten. Früher lebte man mehr im Einklang mit der Natur. Oder wann sind Sie das letzte Mal vor einem Schneeglöckchen stehen geblieben und haben es bestaunt ?

 


 

 

Als Kind war man ja unablässig den Unbillen der Natur ausgesetzt. Ab und zu holte man sich dann halt eine Erkältung.

Aber auch die üblichen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Windpocken, da jucke ich mich heute noch, wenn ich nur daran denke. Erinnert Ihr euch noch daran, da kam sogar der Doktor ins Haus. Ja, das gab es damals noch. Und man brauchte kein Privatpatient zu sein.

Was haben es die heutigen Kinder gut. Sie brauchen kein Cowboy und Indianer zu spielen, kein lästiges Bücken beim Murmelspiel, kein Gehüpfe beim Gummi-Twist, keine mit einem Holzschwert übergebraten bekommen, keine Schlitterbahnen anlegen, auf denen man ab und zu dann sehr unsanft mit hinteren Anbauteilen Bekanntschaft machte.

Es ist aber für die heutigen Kids nicht leicht. Schnell sind die gekauften Edeljeans out, das Handy nicht mehr chic genug, der Gang zum Friseur für die neueste Haar-Tolle Marke "Igelstyle" oder die "Das-erste-mal-horrorfilm-geschaut-Frisur" erforderlich, oder der PC hat keine Internetverbindung, "Oh mein Gott, ich komm' nicht in meinen Chatroom, egal, muss sowieso mal wieder in die Stadt fahren zum Shoppen. Und was ziehe ich nächste Woche zu meinem 12. Geburtstag an? Das Leben ist nicht leicht!

Man fragt sich, an welche  schönen Kindheitserinnerungen diese Kinder später mal denken. Vielleicht sollten wir Erwachsene heute schon dafür sorgen, dass auch unsere Kinder später gerne an ein ausgelebtes Kinderdasein zurück denken können.

Ich für meinen Teil erinnere mich gerne zurück, an die dreckigen Klamotten, die bestandenen Abenteuer, die bezogenen Dresche, die dafür verwendeten Kochlöffel (hielten sie meinem "Mors" doch nicht immer stand) und und und....

...aber den Blick nach vorne sollten wir auch nicht außer Acht lassen!

 

 

 

Die Fassenacht wurde von uns Kindern früher sehr sehnsüchtig erwartet. Meistens war man "Winnetou-mässig" unterwegs. Mal als Indianer, mal als Cowboy. Es wurden schnell Gruppen gebildet, hier die Cowboys und dort die Indianer. Als gestandener Cowboy hatte man natürlich auch anständige Koteletten und Bärte zu haben. Aber wie machen!? Ganz einfach mit einem Korken, der vorher über einer Flamme angekohlt wurde um dann als Bart in einem verzogenen Kindergesicht zu enden.

Die meisten Schlachten wurden damals auf der "Holler-Wiese" oder am "Köppchen" geschlagen. Auch der mittlerweile verschwundene Pfarrgarten (schluchz) wurde gerne frequentiert. Was war das für ein Abenteuer, dort durch den verfilzten "Urwald" zu kriechen und den Gegner auszuspähen. Zweighütten wurden dort errichtet, kleine Lagerfeuer (aber nur ganz kleine, wegen der Gefahr  des Waldbrandes! aber mehr wegen der Entdeckungsgefahr durch grimmig dreinschauende Personen, meistens männlichen Geschlechtes und Erziehungsberechtigt!)

Damals gab es kein Kind, welches an Fassenacht nicht verkleidet war. Und dieses  "Strasse-sperren-zoll-kassieren" gab es damals nicht. Das kam Anfang der Siebziger Jahre auf.

Renate Kilb Rosi Cabal und Regina Heidenreich

vlnr: Rainer Heidenreich,Rosi Cabal Tome, Renate Kilb und Regina Heidenreich

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Kasper - das Zauberwort für viele Kinder damals. Die Großmutter, das Krokodil und der Gendarm (in Alt-Schloßborner Spachweise: Scholdamm ) und natürlich der Spitzbube, der durfte nicht fehlen. Viele Geschichten hat er erlebt, sogar der Teufel mischte mit und eine schöne Prinzessin, die aber nie abkömmlich war, weil meine Schwester am Haarebürsten und umziehen war.

Auch die schönen Hauser-Figuren, ich hatte einige Ritter, Wikinger und Soldaten, mussten einiges an Anachronismus erleben. Wurde der am ältesten aussehende Wikinger doch regelmässig auf Tempopapier gebettet und mit einem "Sattelschlepper" zur Beerdigung gebracht. (Seufz)

Kasper und die Maus

 

Die Unruhe unter den Kindern wuchs mit der allmächlichen langsamen Annäherung an den Heiligen Abend ins schier Unermessliche. Warum ging aber auch die Zeit nicht schneller!? Heute sagen wir uns, "Kinder, schon wieder ein Jahr vorbei!"

Dann kam der letzte Tag und der war der längste überhaupt im ganzen Jahr. Es wollte und wollte einfach nicht dunkel werden.

Eine große Hilfe war damals das Fernsehen. Gab es doch nur ein Programm und die Werbung beschränkte sich auf einen Zeitraum von 18:00 bis 20:00 Uhr.

Am Weihnachtstag kam die Sendung "Wir warten auf das Christkind" Da gab es viele Anregungen, Kurzgeschichten und  Märchen. Die Älteren kennen bestimmt noch James Krüss, Rene und sein Hase, Telemeckel und Teleminchen und viele mehr, die einem aber leider nicht mehr einfallen.

 


 

 

 

 

 

 

 

Die Weihnachtszeit - was gab es nicht alles zu tun da
mals. Wenn der Himmel sich abends in ein blutrotes Flammenmeer verwandelte, sagte meine Mutter immer zu uns, dass das Christkind Plätzchen backen würde. Und wenn es dunkel wurde, hieß es immer: "Komm' herein, sonst holen dich die Nachteulen". Vor denen hatte ich am Anfang meiner Lausbubenlaufbahn höllischen Respekt. Hat sich aber mittlerweile gelegt.

Plätzchen backen, wie das duftete im ganzen Haus. Teig ausrollen, mit den Förmchen ausstechen, mit Eigelb bestreichen und ab in den Backofen... und es gab eine solche Vielzahl von Rezepten, dass man gar nicht alles Backen konnte.  Natürlich durften wir vor dem Weihnachtsfest nicht an die Plätzchen .... Meine Lausbubenkonfiguration zahlte sich aus, wie ein Schoschone schlich ich in nächster Zeit an die Plätzchentruhe, um mir meinen "Anteil" zu sichern.


Auch für Eltern und Geschwister wollte man natürlich ein Geschenk an Weihnachten übergeben. Wir hatten damals viele Möglichkeiten, kleine selbstgebastelte Gaben herzustellen. Ich kann mich noch an meine Mutter erinnern, die nicht wusste wo sie die ganzen Streichhölzer hin tun sollte. Deren Schachteln benötigte ich für einen langen Personenzug.

Die Vorweihnachtszeit - für Kinder eine der schönsten Jahreszeiten überhaupt. Damals gab es erst Ende November die leckeren Pfeffernüsse, Lebkuchen oder Nikoläuse beim Kaufmann. In dieser Zeit hatte unser Ladengeschäft in der Langstrasse das rechte Fenster immer mit vielen begehrlichen Sachen ausgestattet, natürlich in der Hauptsache für uns Kinder.

Stunden haben wir vor dem Schaufenster verbracht und in Gedanken mit den vielen Puppen, Autos, Cowboyfiguren u.s.w. gespielt. Hoffentlich kam unser heimlicher Stoßseufzer auch an die richtige Adresse und somit unter den Christbaum.

Aber erst kam der Abend des 5. Dezember !!! Nikolaus und Knecht Ruprecht waren unterwegs. Was hatten wir eine Heidenangst. Kaum begann es zu dämmern, waren wir zu Hause und so leicht nicht mehr vor die Türe zu bewegen.

Gerade wir Jungen wussten ja, was wir uns das ganze liebe Jahr über geleistet hatten und heute war Zahltag, jedenfalls für manche.

Mit Kettengerassel kündigte er und sein finsterer Knecht sich an. Mir laufen heute noch die Haare im Nacken gegen den Strich, wenn ich an diese Abende denke und trotzdem, nachdem ich dann Jahre später meiner "Tante" verziehen hatte, erinnere ich mich im nachhinein doch sehr gerne daran zurück.  Nach der Bestrafung, seltener eine Belobigung, die bekamen meistens die Mädels (damals steckte die Emanzipation noch in den Kinderschuhen) , gab es kleine Geschenke.  Dabei erinnere ich mich am liebsten an den mit Süßigkeiten behangenen stark duftenden Ginsterstrauch.




 

 

"Vormittags in der Schule, wir verfolgen den Unterricht nur am Rande, etwas viel wichtigeres zieht uns in seinen Bann.!"

"Durch die Fenster, zwischen den Eisblumen hindurch sehen wir es wirbeln, unser Herz macht einen Sprung..... ENDLICH!"

 

"Es schneit, Frau Holle hat Erbarmen mit uns armen Schulkindern. Gar mächtig tobt der Wind und verwirbelt die Schneeflocken so schnell, dass diese nicht mehr wissen ob es zur Erde geht oder zurück in Frau Holles Kissen. Unsere Hände krümmen sich wie unter Krämpfen, nichts schlimmes, nur unser Unterbewusstsein, das unsere Körperteile schon einstimmt auf die unweigerlich kommende Schneeballschlacht.!"

"Dann endlich die erlösenden Worte von unserem Lehrer Knödgen und wir stürzen erlöst aus der Schule ins Schneegestöber...

 

Lesebuch 1. Schuljahr 1964

 

 


 

 


Mai, die Sonne trieb die Kinder hinaus auf die Wiesen, Felder und Wälder. Nichts hielt sie in den vier Wänden.